facit omnia voluntas - Alles entscheidet der Wille

  • Kapitel 1


    Eine sternenlose Nacht.

    Das Land liegt schwarz in grau vor mir ausgebreitet.
    Ich spitze die Ohren und genieße die Klänge der Nacht für einen Moment.
    Eine leichte Brise lässt die Blätter des Baumes neben mir Rascheln, in der Ferne ist das monotone Rauschen von Wellen an einer felsigen Küste zu hören, neben mir das leichte Atmen eines Kameraden, der vor ein paar Stunden total erschöpft von den Strapazen unserer aktuellen Mission, auf dem Felsvorsprung, von dem aus wir das gesamte Tal kilometerweit überblicken können eingeschlafen ist.

    Ein greller Lichtblitz durchbricht die friedvolle Dunkelheit, gefolgt von einem Ohren betäubenden Donnern.
    Das Zeichen, auf das wir seit mehreren Stunden warten!
    Endlich war es so weit. Heute Nacht würde sich entscheiden, ob meine Planungen der letzten Monate sich auszahlen würden und ob die Jahre, die ich auf Truppenübungsplätzen und in anderen Einsätzen verbracht hatte, mich hierfür gut genug vorbereitet haben.
    Mein Kamerad war von der Explosion der Sprengladung, die ich zwei Tage zuvor am Tor des Lagers der Banditen Gruppe angebracht hatte,w aufgewacht und bereits dabei seine Waffe zu überprüfen, bevor wir uns auf den Weg machen würden.

    Wir hatten diese Gruppe bereits seit Monaten im Auge und haben die letzten Wochen damit verbracht, ihre Abläufe und Routinen zu analysieren. Jeden dritten Tag um 3 Uhr morgens bekamen sie eine neue Lieferung an Waffen und Munition, bereitgestellt von Korrupten Regierungsmännern, die sich die Taschen mit dem so erpressten Schutzgeld vollstopften und damit ihr eh schon armes Land an den Rand des Ruins trieben.
    Selbst Frauen und Kinder waren ihnen dabei kein zu großes Opfer.

    Dies sollte meine letzte Mission sein, bevor ich nächste Woche mit meinem Kameraden zu einer seiner Finkas, auf einer kleinen griechischen Insel, fliegen würde um meinen wohlverdienten Sonderurlaub unter warmer Sonne und großen Palmen zu verbringen.

    Nihilus hatte mir schon lange von diesem Paradies auf Erden vorgeschwärmt und nachdem wir mit dem General die aktuelle Mission durchgesprochen hatten, unterschrieb er unseren Antrag auf eine unbefristete Beurlaubung zur seelischen Erholung mit dem Hinweis, wir würden niemals ändern können, wer wir sind. Wir würden immer Krieger und selbsternannte Helden bleiben und uns eines Tages nach neuen Missionen sehnen.

    Ich für meinen Teil hatte den Dienst im Kommando begonnen um Menschen zu helfen, die einer nahezu unbesiegbar Macht ausgesetzt waren und um ihr Leben fürchten mussten.
    Mit dieser Einstellung und dem nötigen Ehrgeiz hatte ich es in den letzten Jahren weit gebracht. Ich hatte es inzwischen selbst unter den alten Kommando Soldaten zu einigem Ansehen gebracht.

    facit omnia voluntas
    (alles entscheidet der Wille)

    Wir machten uns auf den Weg. Die Mission:
    Die Banditen zu zerschlagen, ihre Waffen zu sichern oder zu zerstören und dabei auftretenden Widerstand zu zerschlagen.
    Kurz, das Lager dem Erdboden gleich zu machen und dafür zu sorgen, dass keiner dieser Banditen jemals wieder einen unschuldigen Bürger bedrohen würde.

    Was in dieser Nacht geschah war nichts weiter als ein riesiges Blutbad. Selbst ich, der geglaubt hatte bisher alles gesehen zu haben, werde diese Bilder mein Leben lang nicht vergessen können.
    Wir konnten die Mission beenden, gerieten jedoch beim Rückzug unter Beschuss, wobei mein guter Freund und Kamerad Nihilus tödlich verletzt wurde.
    Ohne die notwendige Ausrüstung konnte ich ihm nicht helfen und so lag er in meinen Armen, wärend er verblutete.
    Seine letzten Worte:

    Armin, ... ich will.... du sollst wissen... du warst mir der Bruder, den ich nie hatte! .... Danke für alles...! Es war mir eine Ehre...

    dann versagte ihm die Lunge den Dienst und er starb in meinen Armen.


    Nachdem ich ihn in den Helikopter gelegt hatte und zurück zum Stützpunkt geflogen war trat der General an mich heran und übergab mir ein Schriftstück. Den letzten Willen von Nihilus.
    Er hatte mir seinen Besitz auf Altis vermacht und wollte, dass ich um der guten Zeiten Willen unsere geplante Reise trotzdem antreten solle. Also packte ich, ohne ein Wort darüber zu verlieren was passiert war, meine Sachen, stieg in den nächsten Wagen und befahl dem Mannschafter neben mir, mich zum Flughafen zu bringen.



    Kapitel 2


    Die ersten Wochen lag ich nur im Bett, habe kaum gegessen und mich eigentlich nur von gutem Whiskey auf Eis und Zigarren ernährt.
    Irgendwann schaffte ich es, mich aufzuraffen und die Insel zu erkunden.

    Nachdem ich einige schöne Orte gesehen hatte, traf ich auf einen militärisch gekleideten Mann, der ebenso wie ich, den Blick eines Mannes hatte, der mehr Krieg, Leid und Elend gesehen hatte, als man in einem Leben erfahren sollte.
    Er lud mich zu sich und seinen Freunden ein, sie erzählten mir von ihren Leben und wie sie sich zusammen gefunden hatten.
    Eine ehemalige Gruppe aus Männern, die genau wie ich, die Schwachen beschützen wollten und durch die Härte des entgegentretenden Widerstandes der Mächtigen gezwungen waren, ebenfalls zu härteren Maßnahmen zu greifen.

    Ich fühlte mich sofort unter Gleichgesinnten und so kam es, dass ich nach kurzer Trauerphase der "Jagged Mavericks Force" beitrat und es mir voran zum Ziel machte, dieses Paradies von all dem Unrecht zu befreien, das überall auf der Welt wütete.



    Kapitel 3

    Inzwischen bin ich seit einigen Jahren auf der Insel, habe viele Kontakte und Freundschaften geknüpft und bin vielerorts bekannt.

    Ich bin dafür bekannt, mich in jedem Konflikt auf die Seite des Schwächeren zu stellen und gegen jede Art von Bedrohung oder gar Gewalt gegenüber unschuldigen Zivilisten vor zu gehen und diese im schlimmsten Fall bis zum bitteren Ende zu verfolgen!
    Ich werde jedem Hilferuf nachkommen, der mich erreicht und mein Leben dafür einsetzen, Altis von Banditen und Peinigern zu befreien.

    Ich werde im Namen meines gefallenen Kameraden und jeden namenlosen Opfers von Banditen und fehlgeleiteten Rebellen alles in meiner Macht stehende unternehmen, ein friedliches Miteinander zu erreichen.

    Dabei greife ich eigentlich immer auf Deeskalation und klärende Gespräche, in denen man Kompromisse finden kann oder den Einfluss meines Namens und des Symbols der "JMF" zurück und werde nur in äußersten Ausnahmefällen Gebrauch von meiner militärischen Ausbildung machen.

    Wer mir und den unter meinem Schutz stehenden Zivilisten nichts antut, wird niemals ein Problem mit mir bekommen.
    Aber gnade Gott denen, die meinen Zorn auf sich ziehen!
    Ein Versprechen, für welches ich mit meinem Namen stehe!

    Armin Odinson


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    Armin Odinson

    facit omnia voluntas

    Alles entscheidet der Wille!

    5 Mal editiert, zuletzt von Armin Odinson () aus folgendem Grund: Feintuning (props an Steppi)



  • Prolog


    Es ist ein kühler, trüber Vormittag gewesen. Die Sonne hatte es nicht geschafft, die schier endlose, weißgraue Decke aus Wolken zu durchbrechen und die Menschen folgten trist ihrem Alltagsablauf. Schlurfende Schritte, fahle Gesichter und nur vereinzelt ein helles Kinderlachen.

    Ein Junge, etwa 4 Jahre alt, spielt mit seiner kleinen Schwester im Wohnzimmer einer durchschnittlichen, aber liebevoll eingerichteten Wohnung, irgendwo in der Mitte Deutschlands mit LEGO.

    Die Struktur des Gebäudes vor den Beiden sieht etwas abenteuerlich aus, aber selbst die größten Architekten würden bei der Kombination von Ritterburg mit Straße für fliegende Autos und Prinzessinnen-Schloss mit Ablage für eine Tüte Haribos an ihre Grenzen stoßen.

    Im Hintergrund läuft eine Dokumentation über die Tiere der Savanne und der Vater genießt es, sich in die grünen Weiten der Savanne ziehen zu lassen und nebenbei seine glücklichen Kinder beim Spielen zu beobachten.

    Eigentlich ein normaler Tag wie jeder Andere, jedoch sollte das heutige Datum noch in Jahrzehnten bekannt sein. Es wird für eine Entwicklung der Kriegsgeschichte stehen, das Leben von Tausenden verändern und für die Zukunft das Wort "Terror" prägen.

    Die Dokumentation wird unterbrochen und ein total unvorbereiteter, fassungsloser Reporter versucht die gezeigten Bilder irgendwie in Worte zu fassen.

    Es ist der 11 September 2001 und gerade war der American-Airline Flug 11 in den Nordturm des World Trade Centers geflogen.

    Auch ich, mit meinen jungen Jahren bemerkte, dass mein Vater nicht mehr so entspannt da lag wie vorher und fassungslos auf den Bildschirm starrte.

    Amerika wird die Bündnisstaaten, des nach dem zweiten Weltkrieg, auf Basis des Artikel 51 der UN gegründeten, Nordatlantik Pakts (engl. kurz NATO), aufgrund dieses Anschlags, mit in den Kampf gegen den Terror nah Nahost berufen und somit eine neue Art von "bewaffneten Konflikten", Einsätzen und Auslandsmissionen einläuten.

    Selbst als ich damals mit meiner Schwester das Zimmer verließ und ich mich auch selber nicht mehr wirklich an die Bilder erinnern kann, so sollte dieses Ereignis doch einen großen Einfluss auf mein späteres Leben haben.

    Nach einer wahrlich glücklichen Kindheit und recht abenteuerlichen Jugend; Ich war schon immer der Typ, der bis ans Äußerste gehen würde und getestet hat, wo das Leben ihn hin leiten, wenn er gegen den Strom schwimmt; war es irgendwann an der Zeit, erwachsen zu werden und sich auf die Zukunft zu konzentrieren.

    Trotzdem hat es wohl niemand endgültig geschafft, mir den kleinen Jungen auszutreiben und so zog die Kombination von Uniform, Waffen, Fahrzeugen und der Aussicht auf ein Leben fernab von Schreibtisch und Routine mich regelrecht magisch an!

    Nach der Schule ging ich mit 17 zur Bundeswehr und stellte schon bei der Einstellung klar, dass ich für dieses Leben geboren war und so führte mich mein Weg von den Helikopterpiloten des Marinefliegergeschwaders 3 "Graf Zeppelin" sehr schnell zu den Boarding-Teams der Marineinfanterie, von dort über die Kampfschwimmer letztendlich ins Kommando der Spezialkräfte als Spezialist für Distanzwaffen.

    Trotzdem muss ich zugeben, dass ich, selbst nach etlichen deutlich gefährlicheren und abenteuerlichen Missionen, immer noch gerne daran zurück denke, wie ich zwischen 2014 und 2016 noch mit einer "Sea Lynx" über das Mittelmeer schwebte und die Aussicht genoss. Selbst heute trage ich die "Article 5" Medaille und das NATO Barett.

    Wahrscheinlich war es Operation „Active Endeavour“, der Einsatz im Mittelmeer um Terroristen abzuschrecken, aus dem Ende 2016 die Mission „Sea Guardian“ entstand, die mich dazu brachte, mich in Griechenland und seine Inseln zu verlieben.

    Nach all den Jahren bin ich wirklich sehr gerne wieder hergekommen und gedenke, nicht so schnell dieses Paradies zu verlassen! Sogar die Bundeswehr selbst war bereits auf Altis tätig und es freut mich wirklich, regelmäßig auf Kameraden zu treffen.

    Meine Verpflichtung ruft mich leider immer wieder unangekündigt für ein paar Tage oder Wochen nach Deutschland, Amerika, Mali, Afghanistan oder sonst wo in die Welt, so dass ich immer wieder etwas neues zu Gesicht bekomme und meine ungebändigte Sucht nach Abenteuern wohl hoffentlich noch einige Jahre genährt wird.

    Irgendwann werde ich mich dann mal zur Ruhe setzen und euch ausführlich von all den Heldentaten, die meine Kameraden da so im Verborgenen leisten und leisteten berichten.

    Hin und wieder fasst mich ja auch die Sehnsucht, in meinen Erinnerungen zu schwelgen und ich setze mich hin, genieße ein kühles Bier und schreibe nieder, was andere sonst höchstens in Spielen oder Filmen erleben.

    Die Welt dort draußen ist zwar brutal und ungerecht, jedoch kann man mit einer harten Schale und hier und da einem Lächeln alles erreichen was man sich vornimmt.

    Meine Lebenseinstellung hat sich seit dem Wohnzimmer und der LEGO Burg nicht verändert.

    Ich werde jeden Tag so nehmen, wie er kommt, dafür kämpfen, die Welt ein Stück besser zu machen und denen, die es nicht alleine schaffen, eine Stütze sein, auf ihrem Weg zu bestehen.

    Bei den Kampfschwimmern lernte ich etwas, dass mich bis heute begleitet:


    Es geht nicht darum, dass man dem Leiden entgeht,

    sondern dass das Leiden seinen Zweck erfüllt.


    Sollte mich zufällig jemand in einer geselligen Runde antreffen und die Lust verspüren, über Gott, die Welt und das Wetter zu quatschen, so ist er herzlich eingeladen, mich anzusprechen. Ich bin dafür bekannt, selbst in schwierigen Situationen noch eine verbale Lösung zu suchen und hoffe darauf, dass sich dieser Ruf wieder soweit herumspricht wie einst.

    Armin Odinson

    facit omnia voluntas

    Alles entscheidet der Wille!

    2 Mal editiert, zuletzt von Armin Odinson ()

  • Kapitel 4


    Es musste ja dazu kommen...

    Was hatte ich erwartet, wenn ich, ein Soldat mit Heldenkomplex und Beschützerinstinkt auf eine Insel zieht, die von Gewalt, Banditen und Korruption kontrolliert wird.

    Klar, ich hatte gehört, es sei das Paradies. Eine kleine, kaum bekannte Insel, mit nur wenigen Einwohnern, kaum Steuern und nahezu unendlich viel Platz um sich selbst zu entfalten.

    Wenn ich so darüber nachdenke, hätte mir früher klar sein müssen, dass dies auch ein Paradies für allerlei Abschaum ist…

    Ich klappe den Koffer auf und lege meine Uniformen mit einem flauen Gefühl im Magen hinein. Es wird wohl eine Weile dauern, bevor ich wieder einen Fuß auf dieses sandige Stück Land setzen werde, bevor ich wieder die Sonne über der Nord-Ägäis aufgehen sehen werde, bevor ich wieder die trockene, aber nach Freiheit duftende Luft atmen kann und den feinen Sand, vom Wind aufgewirbelt, im Gesicht spüren werde.

    Ein wenig mit Wehmut beladen schließe ich den Koffer, stelle ihn zu dem Kampfrucksack, der bereits mit meiner Ausrüstung gefüllt neben der Tür an der Wand lehnt. Ich hatte nie viele Klamotten und so dauerte es nie lange, einen Ort zu verlassen, doch nur selten hatte ich dabei das Gefühl, bleiben zu wollen…

    Sonst hatte ich mich immer als „rastlos“ beschrieben, aber irgendwas hatte dieses kleine Eiland an sich. Ich kann nicht genau ausmachen, warum ich mir wünsche, bleiben zu können, aber ein wenig bereue ich es, gehen zu müssen. Vielleicht liegt es an der Freiheit, seines eigenen Heimes auf einem griechischen Atoll, vielleicht an dem sagenhaften Wetter, vielleicht an der Lebenseinstellung der Einheimischen oder deren Gastfreundschaft, oder vielleicht liegt es doch an den regelmäßigen Grillabenden mit Steppi und Zora, zwei inzwischen sehr engen Freunden…

    Alleine bei dem Gedanken an die saftigen Nacken Steaks mit BBQ Sauce fließt mir das Wasser im Mund zusammen und ich kann den Grillgeruch praktisch riechen.

    Aber auch diese werden wohl eine Weile aussetzen.

    Ich werfe mein Gepäck auf den noch staubigen Pickup und fahre in Richtung Flughafen. Die Militärmaschine fliegt um 1700, also habe ich noch ein wenig Zeit.

    Auf dem Parkplatz wartet Alex bereits auf mich, er sieht so aus, als hätte er die ganze Nacht nicht geschlafen. Verständlich nach den Strapazen. Zu meiner Überraschung hatte er auch Steppi und Zora, Arthur Bishop und Dirk Farmer hergeholt. Alle, mit denen ich die letzten Monate verbracht, gelacht und gefeiert, Freude und Leid geteilt und wahre Freunde gewonnen hatte.

    Sie waren gekommen, mich zu verabschieden, doch nicht für lange. Sobald das Verfahren in Deutschland beendet ist, komme ich zurück!

    Und so stieg ich in den Flieger, der Blick aus dem Fenster auf das kleiner werdende Atoll hinter mir. Das hellblaue Wasser unter mir breitete sich immer weiter aus, bis man kaum noch die kleine Insel erkennen konnte und der Flieger bald die dünne Wolkendecke durchstießen. Plötzlich gebadet in das Gold der untergehenden Sonne schloss ich die Augen, atmete einmal tief durch und öffnete die Augen mit einer neuen Entschlossenheit!

    Ich komme wieder!

    Vierzehn Stunden zuvor

    Mitten in der Nacht werde ich wach. Ungewöhnlich. Normalerweise habe ich einen sehr festen Schlaf, doch ein unerwartetes Geräusch hat mich aus einem Traum entführt, in dem ich gerne mehr Zeit verbracht hätte.

    Instinktiv fährt eine Hand zu der geladenen 9 mm unterm Kopfkissen, bevor ich bemerke, was mich aus dem Schlaf gerissen hatte. Das Handy auf dem Nachttisch vibrierte ein weiteres Mal.

    "Ich hoffe, jemand ist in Lebensgefahr..." murmel ich verärgert, während ich nach dem Handy greife. "Sonst werde ich dafür sorgen...!" kommt mir der amüsante Gedanke, bei dem Kopfkino, wie der etwaige Störenfried meine schlechte Laune zu spüren bekommen würde.

    "Was?!" schnauze ich in den Hörer, bevor ich die Stimme am anderen Ende erkenne und sofort begreife, der Anruf muss einen triftigen Grund haben.

    Alex Morgan ist etwas außer Atem und flüstert am anderen Ende. Nur eine kurze Ortsbeschreibung und den Hinweis "drei identifizierte Ziele, Unterstützung wahrscheinlich" später stehe ich schon vor meinem Waffenschrank und greife nach dem G27. Eine Waffe, die mich bereits lange begleitet hatte und mir immer treue Dienste geleistet hatte. Als Kommando Soldat hatte ich das erste Mal mit dem Modell HK417 von Heckler und Koch zu tun und auch wenn es nicht in der Truppe eingeführt wurde, hat mich das vollautomatische Mittelstreckenscharfschützengewehr mit 7,62 x 51 mm NATO Munition von sich überzeugt.

    Ich sprang in den Pickup und fuhr direkt zu der angegebenen Position.

    Eigentlich eine wunderschöne, sternenklare Nacht, doch ich hatte weder die Zeit, noch die Gelegenheit dazu, nach oben zu sehen und die saubere Luft von Altis, die Blick auf zahllose Sterne ermöglichte, zu genießen.

    Wolken wären besser gewesen... Sie hätten die Lichter der Städte reflektiert und mir durch meinen Restlichtverstärker ein nahezu taghelles Bild des anvisierten Bereichs gegeben. So waren nur Umrisse zu erkennen und eine Identifizierung würde quasi unmöglich werden.

    Wenige Minuten später war ich bereits auf dem abgesprochenen Bergkamm in Position gegangen, den Blick auf den Alpha Checkpoint gerichtet, wo Alex sein Haus hatte.

    Eine Gruppe mittelschwer bewaffneter Banditen versuchte die Schlösser der Tore des Checkpoints zu knacken und er hatte sich ihnen entgegengestellt.

    Er hatte sich durch einen geheimen, nur wenigen bekannten Durchgang unter einer Brücke auf die andere Seite der Mauer geschlichen um den Banditen aus sicherer Deckung entgegenwirken zu können. Nach ein paar Warnschüssen, die sie vorerst stoppen sollten, hatte er die Position gewechselt und auf mein Eintreffen gewartet.

    Inzwischen war jedoch einer der Banditen, recht unbeeindruckt von den Schüssen in die Luft, durch eines der Tore gebrochen und war im Deckungsfeuer der anderen einen Bogen um Alex gelaufen, sodass diesem bald Beschuss aus zwei Richtungen drohte und ein Stellungswechsel ohne Deckung praktisch Suizid bedeuten würde.

    Ich hatte mich vorbereitet, meine Waffe liegend Freihändig angelegt und das ZF auf 800 m eingestellt. Im Entfernungen schätzen kann mir kaum jemand das Wasser reichen, so hatte ich den Entfernungsmesser gar nicht erst aus dem Rucksack geholt und war zum Glück gerade schussbereit, als das besprochene Signal erschien.

    Ein Leuchtstern, abgefeuert von einer Signalpistole, stieg in den Himmel und tauchte die Landschaft in ein unwirkliches gelbes Licht. Die Schatten beginnen zu tanzen und die Augen müssen sich ein paar Sekunden an die neue Helligkeit gewöhnen.

    Alex liegt an einem Felsen, gerade dabei, seine Signalpistole nachzuladen, um in wenigen Sekunden einen weiteren Leuchtstern gen Himmel zu schicken.

    Plötzlich sehe ich am Rand meines Absehens eine Bewegung. Man hätte sie sehr leicht übersehen können, aber in dem unwirklichen Licht fiel alles, was nicht zu dem umliegenden Gelände gehörte deutlich auf.

    Der Lauf einer Waffe schob sich hinter der Kante eines Gebäudes um die Ecke und in Richtung meines Freundes. Vielleicht 20 m trennten die beiden Personen nur, doch Alex würde nicht rechtzeitig nach seiner richtigen Waffe greifen können.

    Ich fixierte die Kante des Hauses an... Einatmen... Zu zwei dritteln ausatmen...

    Bumm, Bumm..... Bumm, Bumm....

    Mein Herzschlag klang mir im Ohr und ich wartete darauf, dass sich der Kopf ebenfalls um die Hausecke schieben würde.

    Die Zeit begann sich zu ziehen und immer zähflüssiger zu werden... Langsam schob sich eine Schulter, dann ein Helm und endlich der halbe Oberkörper in meinen Sichtbereich und ich legte den Finger an den Abzug.

    Der Bandit blieb stehen, als er Alex erblickte und ging in den Anschlag, bereit mit eiskalter Heimtücke meinen Freund in den Rücken zu schießen.

    Mein Zeigefinger krümmte sich und ich spürte den Druckpunkt des Abzugs. Langsam baue ich mehr Spannung auf, bis der Abzug nachgibt.

    Ein Donner hallt durch das vor mir liegende Tal.

    Alex greift erschrocken nach seiner Waffe, als der leblose Körper hinter ihm aufschlägt.

    Nachdem ich mich versichert hatte, mein Ziel getroffen zu haben, lenkte ich meine Aufmerksamkeit zu dem Tor, dessen Schloss inzwischen aufgebrochen war.

    Die anderen Schemen schienen nicht mit einem so weit entfernten Schuss gerechnet zu haben und zogen sich zurück. Mein trainiert langsamer Herzschlag wurde immer lauter in meinem Ohr und bald hatte ich das Gefühl, mein Kopf würde platzen. Ich hatte lange nicht mehr ohne Gehörschutz geschossen und es würde wohl einige Tage dauern bevor ich links wieder normal hören würde.


    Nach einer ganzen Weile ohne ein weiteres Zeichen der Banditen baute ich meine Position wieder zurück, hob die Patronenhülse mit einem Taschentuch auf und hinterließ, wie ich es gelernt hatte keine weiteren Spuren meiner Anwesenheit. Dann griff ich zu meinem Handy und fragte nach Morgans Status.

    Alex bestätigte mir, ebenfalls keine Bewegung mehr gesehen zu haben und so trafen wir uns etwas zurückgezogen bei einem kleinen Militärkomplex, während in der Ferne bereits die Sirenen des, wohl von verängstigten Anwohnern verständigte, ASP zu hören waren. Das blaue Leuchten in der Ferne war, seit dem der Leuchtstern verglüht war, das einzige farbige Licht in der Gegend und so kilometerweit zu sehen. Alex sah mich an, bereit sich mit mir zu stellen.

    Ich schickte ihn jedoch weg, die Beamten sollten seine Beteiligung nicht erfahren müssen und ich würde mich sowieso meinen Vorgesetzten in Deutschland erklären müssen. So begab ich mich allein zurück zum Checkpoint Alpha, um mich dem Sheriff zu stellen und meinem Chef Meldung zu erstatten, während Alex sich langsam ins Dunkel der Nacht schlich...




    Armin Odinson

    facit omnia voluntas

    Alles entscheidet der Wille!

    Einmal editiert, zuletzt von Armin Odinson ()