Wer ist eigentlich John Flint?

  • Wer ist eigentlich John Flint?

    Man sagt zwar, keine gute Geschichte beginnt mit einem Glas Milch. Jedoch steht genau so eines auf einem kleinen Holzklotz an welchem eine schwere Axt lehnt.

    Von dem Glas laufen Perlen aus Kondenswasser herunter und bei den herrschenden Temperaturen wird ein so kühles Getränk ein wahres Geschenk nach getaner Arbeit sein, Alkohol würde den Durst nur verstärken.

    Die Sonne brennt auf einen verschwitzen, vernarbten, freien Oberkörper. Frisch gespaltenes Holz stapelt sich an der einzigen schattigen Stelle des Anwesens; einem kleinen Holzverschlag, dessen einzige Aufgabe es ist, das Holz vor dem Regen auf Altis zu schützen…. Regen…. Es hatte seit Monaten nicht einen Tropfen Regen gegeben und die meisten Felder in der Region lagen brach und nur vereinzelte Bäume und ein paar Büsche schienen eine nie versiegende Wasserquelle erreichen zu können.

    Zwischen den Tattoos auf den Unterarmen des Mannes zeichnen sich deutlich die Adern ab und die Hände zeigen das Ergebnis eines harten, schweren Lebens. Das Gesicht, gezeichnet von monatelangen Missionen zum Wohle des Vaterlandes, umschließt zwei stahlblaue Augen, in deren Blick ein erfahrener Beobachter erkennen könnte, dass dieser Mann mehr erlebt hat, als viele in zwei Leben aushalten würden. Trotzdem strahlt seine ganze Präsenz aus, dass er niemals zurückweichen würde und ein Mann seines Wortes ist.

    Trotzdem sieht man ihm an, dass er gerade etwas am Verarbeiten ist. Seine Augen verharren hier und dort den Bruchteil einer Sekunde zu lange und man erkennt, dass er in Gedanken ganz wo anders ist.

    Einige Tage lag es nun zurück, das D. Nihilus seiner letzten Ruhe übergeben wurde. Trotzdem schmerzte es ihn noch immer, den Freund verloren zu haben, der schon immer sein größtes Vorbild gewesen ist. Nihilus hatte viele Fehler gemacht, aber er hatte daraus gelernt und sich stetig zu verbessern versucht und war letztendlich ein Mensch geworden, zu dem man aufblicken konnte.

    Seinem Wunsch entsprechend hatte er die Bestattung eines Kriegers bekommen; ein Bett aus handgeschlagenen Holzscheiten, hoch aufragend und aufgestellt auf einer Klippe am Meer, die Weiten des Ozeans überblickend, an alte Zeiten, wahre Werte und lange Nächte erinnernd. Ein Mahnmal an alle, die dem Ziel einer friedlichen Welt im Wege stehen sollten.

    Wie ein Leuchtfeuer brannte der Holzstapel bis lange in die Nacht und die Flammen waren bis aufs weite Meer hinaus zu sehen.

    Es war nur eine kleine Gruppe, die an der Zeremonie teilnahm, aber dafür nur aus den engsten und besten Freunden bestehend, die man sich hätte Wünschen können. Eine wild zusammen gewürfelte Runde aus Soldaten, Arbeitern, Reisenden und einer ganz besonderen Person. Nur wenige wurden über die Zeremonie in Kenntnis gesetzt, doch all jene waren erschienen. Freunde aus vergangenen Zeiten, Kontakte von überstandenen Einsätzen, ein Mann, dessen größtes Vorbild er seit Kindertagen war und zwei Freunde, die ihn wie einen Bruder aufgenommen hatten, wenn er eine Auszeit von all den Strapazen brauchte. Nihilus hatte sich oft nach Einsätzen auf diesen einsamen Flecken Erde zurückgezogen und hatte in den Einwohnern Freunde gefunden. Diese halfen ihm nur allzu oft aus der Dunkelheit des Erlebten heraus und gaben seiner Seele damit ein Zuhause für das es sich lohnte Heim zu kommen.

    Dem geneigten Beobachter fielen nicht die bedrohlich aussehenden Soldaten, die ergriffenen Bürger oder der einsame Mann sofort ins Auge, sondern eine junge Dame; Ihr weißblondes Haar schimmert im tanzenden Kampf von Licht und Schatten der Flammen. Ihre grünen Augen, noch feucht von den vergossenen Tränen, fest auf einen imaginären Punkt, weit hinterm Horizont, draußen auf dem dunklen Ozean fixiert.

    Sie hatte die Bestattung für ihren Vater komplett alleine organisiert und alles ganz nach dem letzten Wunsch ihres einzigen Verwandten vorbereitet. Sie war stark und wusste, viele Erinnerungen würden sie in der Vergangenheit halten, aber sie wollte ihr Leben nicht in dieser führen, sondern nach vorn blicken wie sie es versprochen hatte.

    Der einzelne Mann schritt vom verglühenden Feuer zu ihr an den Abhang der Klippen und blickte ebenfalls aufs Meer hinaus. So standen beide dort, äußerlich so verschieden wie Tag und Nacht und doch im Schmerz des Verlustes vereint. Erst als die ersten Strahlen des Tages schon an den Wellen am Horizonts züngelten, drehten sie sich, wie auf ein geheimes Kommando, zu dem Rest der Versammlung um und schritten gemeinsam von ihrem Ausguck herab.

    Die anderen hatten sich an einem kleinen Lagerfeuer zusammengesetzt und stimmten die Abschiedsfeier mit guter Laune und Gitarrenmusik ein. Wie Nihilus es sich gewünscht hatte, sollten sie, sobald die Flammen erloschen waren, lachen, trinken, feiern und ihr Leben genießen. Froh sein, noch da zu sein und füreinander sorgen.

    Die Stimmung wurde sehr schnell ausgelassen und man sah ihnen an, dass es allen half, durch einen solchen Schicksalsschlag vereint zu werden. Sich somit gegenseitig Trost zu spenden, sich aufzuheitern und bald in Erinnerungen vergangener Zeiten und fernen Träumen zu schwelgen.

    Ein paar Tage später

    Irgendwas muss sich ändern. So kann das nicht weitergehen. Die Einwohner sind es gewohnt, sich nachts nicht raus zu wagen, sich nur in den großen Städten sicher zu fühlen und möglichst wenig alleine unterwegs zu sein. Aber das ist kein Zustand, den er weiter ertragen kann.

    Mit Entschlossenheit und eisernem Willen will er etwas für die Insel tun! Seinen Beitrag leisten. Und wie ginge das besser, als es sich nicht nur zum Hobby, sondern zum Beruf, gar zur Berufung, zu machen, für das Wohl der Bürger zu sorgen. Die Bevölkerung zu schützen und gegen das Übel vorzugehen.

    Das Funkeln welches an diesem tragischen und doch heiteren Abend in seine Augen trat zeigte einem Jedem das Feuer der Gerechtigkeit und so beugte er sich über seinen Laptop und schrieb die ganze, lange Nacht …